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Vorteile und Nachteile von Onlinekauf und Kauf im Wohnort gegenübergestellt

Es ist immer wieder das Gleiche: Sobald die großen Festtage näherrücken – wie Weihnachten und Ostern – hört man landauf, landab das Gejammere der Einzelhändler mit Ladenlokal. Sie fühlen sich nicht gewürdigt, weil die bösen Leute immer mehr im Internet statt bei Ihnen im Laden kaufen.

Einerseits verstehe ich die armen Händler, bin ja selber einer. Andererseits scheinen viele Geschäftsleute mit Ladenlokal einfach die letzten zwanzig Jahre verschlafen zu haben. Vermutlich dachten sie, daß das Internet sich wieder verläuft – also nur eine vorübergehende Modeerscheinung sei ;-).

Oder wie sonst ist es zu erklären, daß sie immer noch wie trotzige, kleine Kinder an dem uralten System der Kaufläden in der Innenstadt mit überteuerten Preisen festhalten wollen, obwohl es die gleichen Artikel im Netz wesentlich preiswerter zu haben gibt? Nun gut – wenn jemand mehr als genug Geld in der Tasche hat und damit die armen, örtlichen Ladenbesitzer unterstützen will – recht so. Es gibt aber einen großen Bevölkerungsanteil, der aufs Geld schauen muß.

Es gibt nun mal das Internet mit seinen Vorteilen, ob es die Einzelhändler nun wahrhaben wollen oder nicht. Es ist nunmal so, daß man sich von zuhause aus bequem über Preise informieren und dann dementsprechend preiswert einkaufen kann.

Glauben die jammernden Einzelhändler wirklich, daß sie diese kindische Trotzhaltung noch viele Jahre durchhalten können, ohne letztendlich ihr Geschäft doch aufgeben zu müssen? Das Internet läßt sich nicht mehr abschaffen, liebe Einzelhändler mit Ladenlokal.

Die Zeiten ändern sich. Die Möglichkeiten des Wirtschaftens ändern sich. Wer sich da nicht anpasst, verschwindet vom Markt. So einfach ist das – ob das nun dem Einzelnen gefällt oder nicht. So funktioniert unser Wirtschaftssystem.

Einzig und allein die Einzelhändler, die Service, Service und nochmals Service bieten haben eine, wenn auch geringe Chance auf ein Weiterleben. Beispielsweise müssten sie Hauslieferdienste, exzellente(!) Beratung gegen Bezahlung usw. anbieten.

Ein Hauptkritikpunkt der Ladenhändler sind die bösen Kunden, die sich im Laden informieren und beraten lassen und dann trotzdem im Internet kaufen. Doch da gäbe es eine Lösung für die Ladenhändler: Beratung gegen Bezahlung. Der Beratungsbetrag würde dann bei einem Kauf wieder von der Rechnung abgezogen. Um dieses System einzuführen, müsste aber die Beratung wirklich sehr gut sein – in welchem Laden bekommt man derzeit sehr gute und geldwerte Beratung?

Beratung von nur angelernten Verkäufern  (weil der stolze Ladeninhaber kein Geld für die gründliche, fachliche Schulung derselben ausgeben will) rechtfertigen jedoch keine kostenpflichtige Beratung. Wenn beispielsweise Hemden und Hosen verkauft werden, die absolut nicht zum Kunden und zu seiner Größe passen wollen ;-), kann man die Kleidung ebensogut im Netz ordern und auf die örtliche “Beratung” verzichten.

So, aber nun mal eine kleine Gegenüberstellung der Vor- und Nachteile vom Onlineshopping und dem Kauf im örtlichen Ladenlokal am Beispiel eines simplen Buchkaufs:

Zuerst eine mögliche Variante mit dem örtlichen Buchhändler (Buch für ca. 20  Eur)

Einkauf im Ladenlokal:

  • Fahrt mit dem Auto in die Innenstadt, 2 km
  • Gebührenpflichtigen Parkplatz einnehmen 1 Euro
  • Fußmarsch zum Buchhändler: 10 Minuten
  • Im Buchladen warten, bis man an der Reihe ist
  • Gewünschtes Buch anfordern
  • “Leider nicht im Lager, kann aber bis morgen bestellt werden”
  • Fußmarsch zum Parkplatz
  • Fahrt mit dem Auto nach Hause
  • Nächster Tag: Fahrt mit dem Auto in die Innenstadt, 2 km
  • Gebührenpflichtigen Parkplatz einnehmen 1 Euro
  • Fußmarsch zum Buchhändler: 10 Minuten
  • Im Buchladen warten, bis man an der Reihe ist
  • Buch bezahlen und mitnehmen
  • Fußmarsch zum Parkplatz
  • Fahrt mit dem Auto nach Hause

Fazit beim Kauf im örtlichen Laden:

8 km gefahren, ca. 2,50 Euro bis 5 Euro Autokosten (je nach Fahrzeug)
Ca. 1 Stunde für Autofahrten, Fußmärsche, Warten im Laden verbraucht, Umwelt verschmutzt, Autoabgase, CO²-Belastung, Beitrag zum Verkehrsstau.

Nun zum Buchkauf übers Internet:

  • Einloggen bei einem großen Internetbuchhändler, zuhause, beqem auf dem Sessel
  • Buch bestellen, ca. 2 Minuten
  • Lieferung oft am nächsten Tag im Briefkasten

Fazit beim Online-Einkauf:

  • Autokosten: keine
  • Parkgebühren: keine
  • Umweltverschmutzung: keine
  • Stauverursachung: keine
  • Zeitersparnis gegenüber Ladenhändler: 58 Minuten (können zum entspannten Spaziergang genutzt werden)

Diesselben Vergleiche können bei Baumärkten und vielen anderen Läden gezogen werden. Man wird immer wieder zu einem ähnlichen Ergebnis kommen. Wobei das Buchbeispiel noch außergewöhnlich ist, da es hier noch die Buchpreisbindung gibt, bei anderen Warengruppen siegt der Kauf im Internet haushoch.

Nachtrag: Manchmal sind die betroffenen Einzelhändler Mitglied des Stadtrates und sind dort teilweise an der Einführung von höheren Parkgebühren beteiligt. Wie weit denken die? ;-)